WealthTech Radar 2026 – Krypto-Assets im Wealth Management

WealthTech Radar 2026 – Krypto-Assets im Wealth Management von Dr. Alexander Bechtel & Pablo Nobre dos Reis
Dr. Alexander Bechtel & Pablo Nobre dos Reis

WealthTech Radar 2026: Krypto-Assets

Ein Gastbeitrag von Dr. Alexander Bechtel, Global Head of Digital Products bei DWS, und Pablo Nobre dos Reis, Digital Products Analyst bei DWS, aus dem WealthTech Radar 2026.

Krypto-Assets haben sich im Wealth Management vom Spekulationsthema zu einem etablierten Bestandteil der Finanzmärkte entwickelt. Regulatorische Rahmenwerke in den wichtigsten Jurisdiktionen sind klar definiert, die Kundennachfrage ist eindeutig. Die Frage für Banken ist nicht mehr, ob sie sich mit dieser Asset-Klasse beschäftigen sollten, sondern wie sie die nötige Tiefe und Governance aufbauen.

Was sind Krypto-Assets?

Krypto-Assets sind digitale Repräsentationen von Werten oder Rechten, die als Token auf einer Blockchain ausgegeben und verwaltet werden. Die Asset-Klasse lässt sich in drei Kategorien unterteilen: tokenisierte Assets, tokenisiertes Geld und Kryptowährungen.

Tokenisierte Assets umfassen Wertpapiere wie Aktien, reale Vermögenswerte (z. B. Kunst) und immaterielle Vermögenswerte wie Patente. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 20 Milliarden US-Dollar auf öffentlichen Blockchains stellen sie aktuell die kleinste der drei Kategorien dar.

Tokenisiertes Geld umfasst hauptsächlich tokenisierte Einlagen, Stablecoins und je nach Ausgestaltung Central Bank Digital Currencies (CBDCs). Vor allem Stablecoins haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und erreichen eine Marktkapitalisierung von 300 Milliarden US-Dollar.

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum gelten als native Krypto-Assets, da sie im Gegensatz zu den anderen beiden Kategorien ausschließlich auf der Blockchain existieren. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 2,9 Billionen US-Dollar sind sie die mit Abstand größte Kategorie. Im Oktober 2025 erreichten sie einen Höchststand von über 4 Billionen US-Dollar.

Warum Krypto-Assets für Wealth Management relevant sind

Wer Krypto-Assets in das Wealth Management integrieren möchte, muss zwischen den drei Kategorien klar unterscheiden. Jede spielt eine andere Rolle im Portfolio und in der Bankinfrastruktur.

Kryptowährungen stellen eine vollständig neue Asset-Klasse dar. Damit stellt sich die Frage, ob sie als strategischer Bestandteil eines diversifizierten Portfolios in Betracht kommen. Bitcoin gehört mittlerweile zu den zehn größten Vermögenswerten weltweit. Analysen deuten zudem darauf hin, dass Bitcoin die risikoadjustierte Rendite eines breit diversifizierten Portfolios verbessern kann, primär aufgrund seiner variablen, aber generell niedrigen Korrelation mit traditionellen Investments. Die hohe Volatilität bleibt jedoch ein Faktor, weshalb eine angemessene Positionsgrößenwahl entscheidend ist. Investoren können Kryptowährungen entweder direkt über Krypto-Börsen oder über regulierte Vehikel wie Crypto ETPs an traditionellen Börsen erwerben.

Tokenisiertes Geld ermöglicht schnellere, günstigere und programmierbare Zahlungen. Stablecoins sind die derzeit verbreitetste Form tokenisierten Geldes. Sie werden primär für Krypto-Trading und Decentralized Finance (DeFi) genutzt, weil sie rund um die Uhr Liquidität bieten. Gleichzeitig ist das Potenzial für Stablecoins im traditionellen Finanzsystem enorm, etwa im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr.

Tokenisierte Assets versprechen eine effizientere Abwicklung traditioneller Finanzmarkttransaktionen, insbesondere in Kombination mit tokenisiertem Geld. Kurzfristig liegen die Vorteile in schnelleren Settlement-Zeiten und höherer Collateral-Mobilität. Im Bereich alternativer Investments könnte Tokenisierung den Zugang durch einfachere Investierbarkeit und Übertragbarkeit deutlich verbessern.

Status aus früheren Radars

2023 – Repair Mode und Regulierung im Fokus: Der Radar klassifizierte Krypto als spekulationsgetrieben, im Nachgang der Turbulenzen von 2022 (inklusive Börsen- und Emittentenrisiken). Die zentrale Botschaft: Regulierung und Custody sind die Schlüssel zur Rückkehr in regulierte Kanäle.

2024 – ETF-Katalysator und Custody-Integration: Mit der Zulassung der ersten Spot Bitcoin ETFs in den USA (Januar 2024) und Ether ETFs (Juli 2024) rückte der institutionelle Zugang in den Mittelpunkt. Banken begannen, Custody- und ETP-Execution zu integrieren und On-/Off-Ramps zu testen.

2025 – Institutionalisierung und MiCA-Operationalisierung: Der Radar zeigt die Verschiebung der Volumen in regulierte Vehikel (ETFs/ETPs), die Marktreife unter MiCA in der EU und die wachsende Relevanz compliant-konformer Stablecoins als Zahlungs- und Settlement-Rail.

Markt- und Technologieentwicklung 2025

Der Krypto-Markt schloss 2025 mit einer Marktkapitalisierung von rund 3 Billionen US-Dollar, leicht unter dem Jahresanfangsniveau. Im Jahresverlauf gab es deutliche Schwankungen, insbesondere bei Altcoins. Die Gesamtmarktkapitalisierung fiel zwischenzeitlich auf etwa 2,3 Billionen US-Dollar, und große Altcoins wie Ethereum verzeichneten Drawdowns von mehr als 50 Prozent. Gleichzeitig erreichte der Bitcoin-Kurs am 6. Oktober 2025 ein neues Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar pro Coin, gefolgt von einer rekordhohen Gesamtmarktkapitalisierung von fast 4,1 Billionen US-Dollar.

Die Zuflüsse in den Crypto-ETP-Markt blieben 2025 sehr stark und erreichten 47,2 Milliarden US-Dollar, knapp unter dem Rekord von 2024 (48,7 Milliarden US-Dollar). Die USA hielten mit 42,5 Milliarden US-Dollar den größten Anteil, während Europa Zuflüsse von etwa 2,85 Milliarden US-Dollar verzeichnete. In der Folge stieg das Crypto-ETP Assets under Management (AuM) auf rund 145,5 Milliarden US-Dollar in den USA und etwa 16,8 Milliarden US-Dollar in Europa.

Stablecoins standen im Zentrum des Krypto-Jahres 2025. Die Marktkapitalisierung erreichte im Dezember einen Rekord von 300 Milliarden US-Dollar. Die Transaktionsvolumen sind mittlerweile vergleichbar mit denen großer Zahlungsdienstleister wie Visa oder Mastercard.

In den USA wurde mit dem GENIUS Act im Juli 2025 erstmals ein nationales Regulierungsrahmenwerk für Stablecoins eingeführt, inklusive Anforderungen an Reserven und Aufsicht. Das Thema gewann auch politische Relevanz: Stablecoins werden zunehmend als Instrument zur Stärkung der globalen Dominanz des US-Dollars wahrgenommen. Die zugrundeliegenden Reserven (überwiegend US-Treasuries) machen Emittenten wie Tether bereits zu wichtigen Käufergruppen. Zudem traten 2025 neue Stablecoins in den Markt ein, darunter das erste BaFin-regulierte Euro-Stablecoin von AllUnity. Zahlreiche große Finanzinstitute kündigten eigene Stablecoin-Projekte an.

Tokenisierte Assets gewannen weiter an Traktion. Der Markt wuchs von 5,6 Milliarden US-Dollar auf etwa 20 Milliarden US-Dollar zum Jahresende. Tokenisierte Geldmarktfonds sind derzeit der dominierende tokenisierte Security-Typ und machen rund die Hälfte der Gesamtmarktkapitalisierung aus. Die meisten dieser Produkte sind in US-Dollar denominiert und überwiegend in Treasuries investiert. Die Produktlandschaft umfasst Angebote sowohl von aufstrebenden Fintech-Unternehmen als auch von etablierten Asset Managern.

Kritische Einschätzung

Insgesamt war 2025 für Kryptowährungen kein besonders erfolgreiches Jahr. Die Marktkapitalisierung sank leicht von 3,1 Billionen US-Dollar auf 2,7 Billionen US-Dollar, und Bitcoin verzeichnete einen moderaten Rückgang von rund 93.400 US-Dollar auf 87.500 US-Dollar. Damit lag Bitcoin hinter Gold zurück, das 2025 erneut seine Rolle als Safe-Haven-Asset bestätigte und einen Wertzuwachs von rund 62,5 Prozent verzeichnete. Es bleibt abzuwarten, ob sich Bitcoin langfristig als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken etablieren kann.

Der Stablecoin-Markt wuchs hingegen 2025 deutlich von rund 200 Milliarden US-Dollar auf 300 Milliarden US-Dollar. Die Dominanz des US-Dollars blieb weitgehend unverändert: Mehr als 99 Prozent aller Stablecoins sind in US-Dollar denominiert. Das erzeugt zunehmenden Handlungsdruck für andere Währungen, darunter den Euro, um an internationaler Relevanz im Zahlungsverkehr nicht weiter zu verlieren.

Im Bereich der tokenisierten Assets hat sich entgegen den Erwartungen vieler Experten ein klarer Trend zur Tokenisierung liquider Instrumente wie Geldmarktfonds, Aktien und Anleihen herausgebildet. Alternative Anlageklassen wie Private Credit, Private Equity und institutionelle Alternative Funds machen derzeit nur rund 27 Prozent des Marktesaus.

Was Banken jetzt tun sollten

Banken können sicheren Zugang zu Krypto-Assets bieten, indem sie ihren Kunden eine Wallet-Infrastruktur für Kryptowährungen, tokenisiertes Geld und tokenisierte Assets zur Verfügung stellen. Neben Custody-Lösungen für Direktinvestments lässt sich der Zugang zu Kryptowährungen auch über Crypto ETPs anbieten, die das bestehende traditionelle Wertpapierdepot nutzen.

Im Bereich des tokenisierten Geldes sollten Banken sich darauf einstellen, zunehmend mit neuen Geldformen konfrontiert zu werden, darunter Central Bank Digital Currencies (CBDCs), Stablecoins und tokenisierte Einlagen. Sie müssen Zahlungen flexibel über all diese Formen hinweg orchestrieren können.

Für tokenisierte Assets ist es entscheidend, dass Banken sich als trusted access point positionieren, um potenzieller zukünftiger Disintermediation entgegenzuwirken. Insgesamt sollten Banken anstreben, alle drei Kategorien von Krypto-Assets so nahtlos wie möglich in bestehende Prozesse und Infrastrukturen zu integrieren.

Fazit

"Krypto-Assets sind zunehmend ein etablierter Bestandteil der globalen Finanzmärkte."

— Pablo Nobre dos Reis, Digital Products Analyst, DWS

Krypto-Assets werden zu einem etablierten Bestandteil der Finanzmärkte. Für Banken und Asset Manager wird es 2026 entscheidend, diese Asset-Klasse genau zu beobachten und eigene Angebote aufzubauen. Regulatorische Rahmenwerke in den wichtigsten Jurisdiktionen sind mittlerweile klar definiert und bieten institutionellen Akteuren einen verlässlichen Weg zur Teilnahme. Gleichzeitig ist die Asset-Klasse signifikant gewachsen, und die Kundennachfrage ist eindeutig erkennbar.

"Wer neue digitale Kundensegmente erschließen oder bestehenden Kunden zusätzlichen Wert bieten möchte, sollte gezielt Expertise im Bereich Krypto-Assets aufbauen."

— Dr. Alexander Bechtel, Global Head of Digital Products, DWS

Diese Kundenangebote müssen stets auf robusten IT- und Governance-Standards, tiefem Fachwissen und einem Betriebsmodell aufbauen, das den Risiko- und Compliance-Anforderungen genügt.

Dieser Artikel basiert auf dem Kapitel "Krypto-Assets" aus dem WealthTech Radar 2026, verfasst von Dr. Alexander Bechtel und Pablo Nobre dos Reis von DWS. Der vollständige Report mit 11 Trends und Analysen von 12 Branchenexperten steht kostenlos zum Download bereit.

👉 Zum vollständigen WealthTech Radar 2026

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